INTERVIEW - Migros-Chef Irminger über seinen Rücktritt: «Es ist besser, zu früh als zu spät aufzuhören»
Migros-CEO Mario Irminger kündigt seinen Rücktritt an, um Platz für neue Impulse beim Konzernumbau zu machen. Trotz radikaler Vereinfachung der genossenschaftlichen Strukturen und des Verkaufs von Töchtern wie Hotelplan weist er Berichte über massiven Stellenabbau zurück. Die Effizienz soll steigen.
INTERVIEW - Migros-Chef Irminger über seinen Rücktritt: Es ist besser, zu früh als zu spät aufzuhören
Zürich, 30. Oktober 2026 – In einem überraschenden Schritt hat Mario Irminger, der CEO des Schweizer Detailhandelsriesen Migros, seinen Rücktritt angekündigt. Nach einer intensiven Phase der strategischen Neuausrichtung und der Trennung von verlustreichen Tochtergesellschaften wie dem Reiseanbieter Hotelplan oder der Kosmetiktochter Mibelle sieht Irminger den richtigen Zeitpunkt für einen Führungswechsel gekommen. Die Migros befindet sich inmitten eines historischen Umbaus, der die komplexen genossenschaftlichen Strukturen radikal vereinfachen und das Kerngeschäft stärken soll. Irminger begründet seinen Abgang damit, dass eine neue Phase der Implementierung nun auch frische Impulse in der Konzernleitung benötige.
Die Reorganisation des grössten privaten Arbeitgebers der Schweiz ist eine Reaktion auf den zunehmenden Margendruck und die Konkurrenz durch internationale Discounter sowie den Onlinehandel. Das Ziel der Vereinfachung ist eine effizientere Steuerung des Konzerns, der traditionell durch eine föderalistische Struktur der regionalen Genossenschaften geprägt ist. Irminger trat Gerüchten über einen massiven Stellenabbau entschieden entgegen und stellte klar, dass in den Medien kursierende Zahlen über tausende Entlassungen nicht den Tatsachen entsprechen. Dennoch bleibt der Effizienzdruck hoch, was die Notwendigkeit unterstreicht, administrative Doppelspurigkeiten abzubauen und die Profitabilität nachhaltig zu sichern.
Strategischer Wandel und Führungsmanagement
Für MBA-Absolventen und angehende Führungskräfte liefert der Fall Migros ein Lehrbeispiel für Change Management in einem hochkomplexen Umfeld. Der Umbau eines genossenschaftlich organisierten Traditionsunternehmens erfordert nicht nur betriebswirtschaftliches Geschick, sondern auch eine hohe Sensibilität für Stakeholder-Interessen. Die strategische Bereinigung des Portfolios und die Konzentration auf den Bereich Lebensmittel zeigen, wie Unternehmen unter Transformationsdruck reagieren, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Der Rückzug Irmingers verdeutlicht zudem ein zentrales Thema moderner Management-Curricula: die Selbsteinschätzung der eigenen Rolle im Lebenszyklus einer Unternehmenstransformation.
Bedeutung für den Arbeitsmarkt und Management-Nachwuchs