Die Schweiz gerät wegen der OECD-Mindeststeuer ins Hintertreffen. Zwei Professoren wollen Abhilfe schaffen

    Die OECD-Mindeststeuer (15%) stellt die Schweizer Attraktivität für Grosskonzerne infrage. Nach US-Ausstieg und seit 1. Januar 2024 müssen Multinationale einen effektiven Steuersatz von 15% zahlen.

    Die steuerliche Attraktivität der Schweiz für internationale Grosskonzerne hat sich merklich verschlechtert. Seit dem 1. Januar 2024 ist die OECD-Mindeststeuer in Kraft, die multinationale Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 750 Millionen Euro zu einer effektiven Besteuerung von 15 Prozent verpflichtet. Dieser Systemwechsel, der die traditionell tiefen Gewinnsteuersätze der Schweiz relativiert, wurde zusätzlich durch den jüngsten Ausstieg der USA aus dem globalen Steuerabkommen verschärft. In Reaktion auf diese Entwicklung legen zwei Schweizer Professoren ein Gutachten vor, das aufzeigt, wie die Eidgenossenschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Steuerumfeld wiederherstellen kann.

    Bislang profitierte die Schweiz erheblich von ihren niedrigen Gewinnsteuern, die zahlreiche multinationale Konzerne anzogen und somit Arbeitsplätze sowie Steuereinnahmen sicherten. Die Einführung der OECD-Mindeststeuer reduziert diesen Vorteil massiv. Wo Gewinne bisher mit etwa 12 bis 13 Prozent besteuert wurden, sorgt die Ergänzungssteuer nun dafür, dass die Differenz zu den geforderten 15 Prozent direkt in die Schweizer Staatskasse fliesst. Das Problem ist nicht der zusätzliche Steuerertrag an sich, sondern die Tatsache, dass andere Länder – insbesondere solche mit höheren Steuersätzen – durch die OECD-Regeln nun ebenfalls von den bisher in der Schweiz versteuerten Gewinnen profitieren könnten, sollten diese die 15 Prozent nicht erreichen. Die Situation verschärft sich zusätzlich, da die USA ihre eigene, abweichende GloBE-Regelung ("Global Anti-Base Erosion") vorantreiben und sich vom globalen OECD-Ansatz lösen. Dies schafft eine komplizierte Doppelbesteuerungssituation und erhöht die Unsicherheit für international tätige Konzerne, die sich zunehmend nach stabilen und vorhersehbaren Steuerbedingungen sehnen.

    Vor diesem Hintergrund haben die beiden Professoren ein Gutachten entwickelt, das alternative Ansätze für die Schweizer Steuerpolitik aufzeigt. Die Hauptforderung ist eine strategische Neuausrichtung, die über die reine Erhebung der Ergänzungssteuer hinausgeht. Denkbar ist demnach die Einführung von Abzügen für Forschung und Entwicklung sowie Investitionen in Bildung und nachhaltige Technologien. Solche Massnahmen würden nicht nur die effektive Steuerlast für Unternehmen senken, sondern gleichzeitig Anreize für Innovation und Standortbindung schaffen. Das Ziel ist es, nicht nur die Mindeststeuer zu erfüllen, sondern einen umfassenden Mehrwert für die Schweizer Wirtschaft zu generieren, der über reine Steuervorteile hinausgeht. Die Professoren betonen die Dringlichkeit, die Attraktivität des Standorts aktiv zu gestalten, statt lediglich auf globale Vorgaben zu reagieren.