Frauen in Führungspositionen
Was Frauen wirklich dabei hilft, Führungspositionen zu erreichen
Nicht nur im Management vieler Unternehmen, auch an den meisten Elitehochschulen sind Frauen in der Unterzahl. Nur 42 Prozent der MBA- Bewerbungen stammen von Frauen. Warum das so ist, und wie sich das ändern lässt.
Männer sind das schwächere Geschlecht – zumindest, was Bildung betrifft. Das belegen aktuelle Zahlen zum „Gender-Education-Gap“, die das Statistische Bundesamt kürzlich veröffentlichte. Demnach machen junge Frauen häufiger Abitur als Männer und dominieren auch bei den Studienabschlüssen – und zwar nicht nur in Sozial- oder Geisteswissenschaften, sondern auch in Medizin, Recht, Wirtschaft sowie in Mathematik und Naturwissenschaften.
Doch kaum wechseln die Frauen von der Bildungs- in die Berufsphase, schmilzt ihr Vorsprung dahin. Zahlreiche Studien belegen, dass in Wirtschaft und Politik nach wie vor überwiegend Männer die Entscheidungen treffen: Je höher die Position, desto geringer der Frauenanteil. Im Topmanagement großer börsennotierter Unternehmen liegt er gerade einmal bei 20 Prozent.
Zwar haben gesetzliche Standards auf Bundes- und EU-Ebene dazu beigetragen, dass es heute mehr weibliche Dax-Vorstände und -Aufsichtsräte gibt als vor zehn Jahren, doch viele Entscheidungsgremien sind noch immer reine Männerrunden. Vor allem bei Unternehmen, die wenig in der Öffentlichkeit stünden, bleibe der Frauenanteil im Vorstand gering, sagt Ev Bangemann, Expertin für Vielfalt in Führungsteams bei EY.
Wie kann das sein? Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion – auf Englisch DEI abgekürzt – gelten schließlich als Treiber für Motivation, Mitarbeiterbindung und Innovationskraft. Business-Schools in aller Welt betonen seit Jahren den Zusammenhang zwischen einer vielfältigen Belegschaft und wirtschaftlichem Erfolg, dabei haben sie selbst oft Nachholbedarf.
Weniger als jede dritte Kaderschmiede hat eine akademische Leiterin, in den wenigsten Studiengängen herrscht Geschlechterparität, und in den im Unterricht verwendeten Fallstudien spielen meist weiße Männer die Hauptrollen.
Muss man Unternehmen und Universitäten also durch Gesetzesverschärfungen und weitere Vorschriften dazu zwingen, ein besseres Umfeld für Frauen zu schaffen? Keine gute Idee, findet María del Mar Martínez, Senior Partner und bis Juni 2024 Global Chief Diversity, Equity and Inclusion Officer bei McKinsey. Nicht nur, weil sich echter Kulturwandel nicht verordnen lässt. Viele Menschen empfinden Quoten als ungerecht, willkürlich und leistungsfeindlich, wie die Anti-DEI-Welle in den USA gerade deutlich macht.