Manager verlangen mehr Resilienz von ihren Mitarbeitern. Doch Menschen sind weder Schildkröten

    Manager erwarten oft zu viel Resilienz von Mitarbeitern. Dieser Artikel deckt auf, warum die Vorstellung von Resilienz als "Panzer" ein Mythos ist und wie äußere Umstände, wie Unternehmenskultur und Unterstützung, die Belastbarkeit beeinflussen.

    Manager verlangen mehr Resilienz von ihren Mitarbeitern. Doch Menschen sind weder Schildkröten

    Die Erwartungshaltung von Führungskräften an die Resilienz ihrer Mitarbeiter hat in den letzten Jahren signifikant zugenommen, wie aktuelle Beobachtungen und Branchenberichte immer wieder aufzeigen. Besonders seit den umfassenden Veränderungen der Arbeitswelt – von der Pandemie über geopolitische Spannungen bis hin zu rapidem technologischen Wandel – wird von Arbeitnehmern eine erhöhte Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit im Umgang mit Stress und Rückschlägen gefordert. Diese Entwicklung prägt zunehmend die Unternehmenskultur vieler Organisationen, stellt aber zugleich eine Herausforderung für die individuelle Belastungsgrenze dar. Das Verständnis von Resilienz als eine Art unerschütterlicher Panzer, der Menschen unverwundbar gegenüber externen Widrigkeiten macht, erweist sich jedoch als Mythos, der in der Praxis zu falschen Schlussfolgerungen und überzogenen Anforderungen führen kann.

    Die Vorstellung, dass Resilienz primär eine individuelle Eigenschaft ist, die unabhängig von äußeren Umständen stets abrufbar sein sollte, greift zu kurz. Zahlreiche psychologische Studien belegen, dass die Fähigkeit, mit Druck umzugehen und sich von Rückschlägen zu erholen, stark von den umgebenden Strukturen, der Unternehmenskultur und der Unterstützung durch Vorgesetzte abhängt. Ein Arbeitsumfeld, das chronischen Stress erzeugt, fehlende Ressourcen bereitstellt oder keine Möglichkeit zur Erholung bietet, untergräbt selbst bei hoch resilienten Persönlichkeiten auf Dauer die psychische Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Führungskräfte, die Resilienz lediglich als eine Bringschuld ihrer Mitarbeiter betrachten, laufen Gefahr, das Wohlbefinden ihrer Teams zu vernachlässigen und langfristig die Produktivität der gesamten Organisation zu gefährden. Dies betrifft nicht nur klassische Bürotätigkeiten, sondern ebenso Bereiche wie die Produktion oder den Dienstleistungssektor, wo stetige Anpassungsfähigkeit und Problemlösungskompetenz gefordert sind.

    Die Rolle der Führungskraft

    Für angehende Führungskräfte und MBA-Studenten bedeutet dies eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema. Eine moderne Führungspersönlichkeit muss lernen, Resilienz nicht nur von ihren Mitarbeitern zu fordern, sondern aktiv Rahmenbedingungen zu schaffen, die diese ermöglichen. Dazu gehören die Implementierung von Unterstützungsmechanismen, das Fördern einer offenen Kommunikationskultur und das Vorleben eines gesunden Umgangs mit Arbeitsbelastung. Programme für Stressmanagement, psychologische Unterstützung oder flexible Arbeitsmodelle können hierbei ebenso entscheidend sein wie die Fähigkeit, realistische Erwartungen zu kommunizieren und Überlastungssignale frühzeitig zu erkennen. Die Verantwortung verlagert sich von einer rein individuellen Anpassungsleistung hin zu einer organisationalen Aufgabe, die eng mit den Prinzipien von New Work und einer mitarbeiterzentrierten Führung zusammenhängt.