Führungskräfte: „Ein Jobverlust kann die gesamte Basis ihres Selbstwerts erschüttern“

    Niemand hat in Deutschland mehr zu Selbstwert geforscht als Christine Altstötter-Gleich. Im Interview erklärt sie, warum Führungskräfte eine Kündigung oft schlecht wegstecken – und was ihnen hilft.

    Führungskräfte: „Ein Jobverlust kann die gesamte Basis ihres Selbstwerts erschüttern“

    Ein Interview mit der renommierten Selbstwertforscherin Christine Altstötter-Gleich im Handelsblatt vom 7. August 2026 beleuchtet, warum Führungskräfte einen Jobverlust oft besonders schwer verkraften. Altstötter-Gleich, eine der führenden Expertinnen für Selbstwertforschung in Deutschland, erklärt in der Publikation, dass für viele Führungskräfte die berufliche Position untrennbar mit ihrem Selbstverständnis verknüpft ist. Eine Kündigung werde daher nicht nur als Verlust des Arbeitsplatzes, sondern als tiefgreifende Erschütterung der eigenen Identität erlebt. Diese Erkenntnisse sind besonders relevant für die Betrachtung der Karrierentwicklung und Resilienz in höheren Managementebenen.

    Die Forscherin legt dar, dass der hohe Identifikationsgrad mit der beruflichen Rolle bei Führungskräften oft mit einem besonderen Leistungsanspruch und dem Streben nach Anerkennung einhergeht. Der Verlust dieser Position, oft verbunden mit öffentlicher Wahrnehmung und der Infragestellung des eigenen Leistungsvermögens, kann zu erheblichen psychischen Belastungen führen. Insbesondere in einer Gesellschaft, die beruflichen Erfolg stark mit persönlichem Wert gleichsetzt, ist diese Verknüpfung ausgeprägt. Altstötter-Gleich hebt hervor, dass die Fähigkeit, einen Jobverlust zu verarbeiten, stark von der individuellen Selbstwertstruktur abhängt. Personen, deren Selbstwert auf mehreren Säulen – nicht ausschließlich auf der beruflichen Rolle – ruht, zeigen sich resilienter.

    Bedeutung für MBA-Absolventen und Karrierewege

    Für angehende und praktizierende Führungskräfte, insbesondere solche, die sich über einen MBA-Studiengang auf höhere Managementpositionen vorbereiten, sind diese Forschungsergebnisse von großer Bedeutung. Ein MBA-Studium vermittelt nicht nur Fachwissen und Managementkompetenzen, sondern prägt auch das berufliche Selbstverständnis und die Karriereerwartungen. Die Investition in einen MBA ist oft mit hohen Erwartungen an Aufstieg, Einfluss und Statuserhalt verbunden. Ein plötzlicher Bruch dieser Karrierebahn kann daher das Selbstwertgefühl besonders stark treffen. Es wird deutlich, dass eine frühzeitige Auseinandersetzung mit der eigenen Resilienz und der Entwicklung eines diversifizierten Selbstwertgefühls essenziell ist.

    Die Erkenntnisse von Christine Altstötter-Gleich unterstreichen die Relevanz der persönlichen Entwicklung im Rahmen von Führungskräfteprogrammen. Über die Vermittlung von Hard Skills hinaus sollten MBA-Studiengänge auch Soft Skills und Aspekte der persönlichen Resilienz stärken. Dies beinhaltet die Förderung von Selbstreflexion, den Aufbau eines breiten Interessenfeldes jenseits der beruflichen Rolle und die Entwicklung von Bewältigungsstrategien für Rückschläge. Eine fundierte Karriereplanung sollte daher auch die Möglichkeit von Brüchen und Neuorientierungen antizipieren und die Fähigkeit zur Anpassung stärken.